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Stalking

Der Versuch einer Erklärung über die Psychoanalyse

Wer war Sigmund Freud ?
Sigmund Freud wurde am 6.5. 1856 in Freiberg (Mähren) geboren. Er wird als der Begründer der Psychoanalyse gesehen. Ausgangspunkt seiner Forschungen war sein Versuch seelische Erkrankungen mittels Hypnose -in seiner Funktion als Arzt- anzugehen. Später ersetzte Freud die Hypnose durch die Methoden der Traumdeutung , der freien Assoziation und die Analyse von Fehlleistungen. Durch seine Einsichten in die Triebstruktur und in die Bedeutung des Unbewussten, wurde Freud zur bestimmenden Größe für die gesamte Tiefenpsychologie. 1.

Wovon ist -laut Freud- die menschliche Psyche bestimmt ?
Die menschliche Psyche ist festgelegt. Sie ist bestimmt durch Erlebnisse in der frühen Kindheit bis zum Alter von etwa fünf Jahren und durch ererbte Prinzipien, wie zum Beispiel der Libido.

Wie definiert Freud den Begriff "Psychoanalyse" ?
Psychoanalyse = Seelenzergliederung, beschreibt das theoretische System nebst Behandlungstechniken psychischer Störungen.

Welche Triebe postulierte Freud ?
Ursprünglich postulierte Freud zwei grundlegende Triebe:
a) Selbsterhaltungstrieb (Hunger, existentielle körperliche Bedürfnisse).
b) Sexualtrieb (Eros).
Nach dem Ersten Weltkrieg fügte Freud einen dritten Trieb hinzu :
c) Todestrieb (Thanatos; aggressives Verhalten, Destruktionstrieb)

Wie kann der psychoanalytische Begriff "ES" definiert werden ?
ES = Teil der menschlichen Persönlichkeit. Das ES wird vom Lustprinzip gesteuert, dem ungesteuerten Streben nach Befriedigung sexueller , körperlicher und emotionaler Lust.
Wie kann der psychoanalytische Begriff "ÜBER-ICH" definiert werden ?
ÜBER-ICH = Teil der menschlichen Persönlichkeit. Das ÜBER-ICH ist der Sitz der Werte, Normen, elterlicher Verbote und Regeln und der moralischen Einstellungen. Das ÜBER-ICH entspricht dem Gewissen und steht im Konflikt mit dem ES.

Wie kann der psychoanalytische Begriff "ICH" definiert werden ?
ICH = Teil der menschlichen Persönlichkeit. Das ICH wird vom Realitätsprinzip beherrscht und schließt Kompromisse zwischen ÜBER-ICH und ES. Das ICH steht für die bewussten Überzeugungen und Auffassungen einer Person.

Was sind Abwehrmechanismen ?
Abwehrmechanismen sind psychische Strategien, die das ICH einsetzt , um die Konflikte abzuwehren, die im normalen Verlauf des Lebens auftreten. Sie sind überlebenswichtig für die psychische Anpassung an die im Konflikt liegenden Anforderungen von ES, ÜBER-ICH und äußerer Realität.
Beispiele für die Abwehrmechanismen gemäß der psychoanalytischen Theorie von Sigmund Freud sind: Verdrängung, Projektion, Reaktionsbildung, Verschiebung, Rationalisierung, Identifikation, Widerstand, Sublimierung und Fixierung bzw. Regression.

Projektion
Bei der Projektion geschieht folgendes: Eigenschaften und Angewohnheiten, die ein Mensch bei sich selber kritisiert, findet er plötzlich bei anderen Personen, bzw. er schreibt diese negativen Eigenschaften anderen Personen zu und kritisiert dann diese anderen Menschen. Dies bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass jede Kritik die geäußert wird auch gleichzeitig der Hinweis auf eigene negativen Verhaltensweisen ist, aber recht oft geschieht eine Projektion wie oben beschrieben.

Reaktionsbildung
Bei der Reaktionsbildung geht es darum, dass beispielsweise Triebwünsche nicht nur verdrängt, sondern ins Gegenteil verkehrt werden. Ein sehr aktuelles Beispiels ist das Phänomen des Stalkings. Hier handelt es sich um Menschen, die sich in eine Person sehr intensiv verlieben und nach einer entsprechender Abweisung ihr Verhalten von Liebe in Hass umschlagen lassen. Der ehemals verliebte Mensch verfolgt nun die Person seiner Triebwünsche und macht ihr das Leben zur Hölle.

Verschiebung
Triebwünsche und Sehnsüchte, die sich nicht an der Wunschperson oder an dem Wunschobjekt erfüllen lassen, werden an Ersatzgegenständen verwirklicht.

Rationalisierung
Gesellschaftlich inakzeptabel Triebwünsche, Sehnsüchte und Bestrebungen sowie Konform widrige Verhaltensweisen werden mit scheinbar vernünftigen Gründen als in Ordnung dargestellt. Dies geschieht um wahre Triebregungen sich selbst und/oder anderen gegenüber zu verheimlichen.

Identifikation
Abwehr von Angst oder anderen unangenehmen Empfindungen kann durch die Identifizierung mit einer starken bewundernswerten Persönlichkeit funktionieren

Abwehrmechanismen werden von jedem Menschen zur Bewältigung von Lebensproblemen und Phänomene eingesetzt. Dies gehört zu einem natürlichen Repertoire an Bewältigungsstrategien. Kritisch wird es bezüglich der seelischen also psychischen Entwicklung erst, wenn diese Abwehrmechanismen übermäßig oft und grundsätzlich realitätsleugnend eingesetzt werden. Hieraus können dann psychische Störungen, wie Neurose entstehen

Wichtige Grundannahmen der Psychoanalyse.
Die Psychoanalyse ist die von Sigmund Freud entwickelte Methode zur Behandlung neurotischer Störungen (=Neurosen). Im Rahmen einer Theorie zur Erklärung allgemeinen psychologischer und krankhafter aber auch sozio-kultureller Phänomene und auch die auf diesem Wege gewonnenen psychologischen Erkenntnisse. Die Psychoanalyse ist als Begriff erstmals 1896 verwendet worden. Als Untersuchungs- und Behandlungsmethode zählt die Psychoanalyse auf die Aufdeckung unbewusster psychischer Prozesse und verdrängter Inhalte mit Hilfe freier Assoziationen und psychoanalytischer Deutung.
Der Patient (= Klient) erzählt von Wünschen, Träumen, Erinnerungen usw. die der Therapeut (Psychoanalytiker) möglichst frei und Vorurteilen auf unbewusste, verborgene Wünsche und Phantasien hin deuten soll. Therapeutische Konsequenzen ergeben sich sowohl aus der verbalen Übersetzung von unbewusste in bewusstes, als auch aus der Emotional-affektiven Aufarbeitung, der im Laufe der Analyse der entstandenen Beziehung zwischen Klient und Psychoanalytiker.
Dabei kommt es zu einer Übertragung (= Wiederholung kindlicher Gefühle und Einstellung) auf den Therapeuten, zu einer Gegenübertragung (= Einfluss des Klienten auf die unbewussten Gefühle und Reaktionen des Psychoanalytikers) und zu einem Wiederstand, der sich gegen die aufdeckende Arbeit richtet. Als Theoriensystem betrachtet die Psychoanalyse psychisches nicht als zufällig, sondern in der jeweiligen Lebensgeschichte bedingt.
Die entscheidenden Motivationen menschlichen Verhaltens sind unbewusst aufgrund von Bedrängung.
Nach Sigmund Freud bewegen das Individuum zwei Hauptantriebe: Der Sexualtrieb, dessen psychische Energie (= Libido) verschiedene Stadien in der frühkindlichen Phase durchläuft und der Destruktionstrieb, der sich in zerstörter Aggression äußert. Psychische Vorgänge werden nach dem Lustprinzip gesteuert. Ihnen liegt der in drei funktional zusammenhängenden Strukturen des ES ICH und Über-ICH gegliederte psychische Apparat (Instanzenmodell) zugrunde".
Kurz formuliert:

  1. Viele seelische Vorgänge sind dem menschlichen Bewusstsein nicht präsent und somit unbewusst, trotzdem wirken sie sich auf die Verhaltensweisen und die Art zu erleben aus.
  2. Menschliche Triebe sind die Ursache und das Steuerungsinstrument für menschliches Verhalten.
  3. Das Verhalten eines Menschen ist aus den persönlichen Erfahrungen erklärbar und wird seelisch verursacht und festgelegt.
  4. Der größte Anteil der Verhaltensweisen eines Menschen werden durch unbewusste psychische Kräfte und Wünsche verursacht.

Alle menschlichen Vorgänge, die dem bewussten Handeln unterliegen, nennt man bewusst. Alle seelischen Vorgänge um die wir nicht spontan wissen, die jedoch aufgrund einer Bemühung dem Bewusstsein wieder relativ voll zugänglich gemacht werden können, nennen wir vorbewusst. Vergessene Vorgänge und Erlebnisse, die aber trotzdem unser Verhalten beeinflussen, werden in der Psychoanalyse als unbewusst bezeichnet.

Was versteht man unter psychoanalytischen Persönlichkeitsmodell?
Die Begriffe Persönlichkeitsmodell oder Instanzenmodell werden gleichermaßen benutzt und damit sind die schon oben beschriebenen Begriffe ES, ICH und Über-ICH gemeint. Um zu verstehen wie dieses Persönlichkeitsmodell funktioniert reichen jedoch nicht nur die einzelnen Erklärungen für diese Instanzen aus, sondern es muss verdeutlicht werden, wie diese Instanzen miteinander interagieren. "Sigmund Freud hat das Verhältnis des ICH zum ES mit dem des Reiters zu seinem Pferd verglichen: Das Pferd ( = ES) liefert die Energie, der Reiter (= ICH) bestimmt die Richtung, wohin es gehen soll, und leitet auch die Bewegungen des Pferdes.
Gelegentlich kann es jedoch vorkommen, dass der Reiter (= ICH) die Macht über das Pferd (= ES) verliert und dieses selbst bestimmt, wohin es galoppiert. Das ICH ist also nicht immer - wie es wünschenswert wäre - Herr über das ES. " Hinzu kommt der Trainer des Reiters (= Über-ICH) und fordert auf die richtigen Techniken und Strategien anzuwenden um das Pferd zu zähmen. Das Über-ICH ist hier also eine Art Gewissen bzw. Instanz, die für Regeln und Normvorstellungen steht und das Verhalten beeinflusst.

Was wird unter dem Begriff Psychoanalytische Trieblehre verstanden?
Wie oben schon beschrieben geht die Psychoanalyse schon davon aus, dass menschliches Verhalten durch angeborene Triebe, also psychische Kräfte, die darauf ausgerichtet sind Bedürfnisse zu befriedigen, erzeugt wird. Grundlage von Trieben ist eine psychische Energie, die sich bei Babys noch ungerichtet und wahllos darstellt. Erst durch Erfahrungen mit der Realität gilt es diese Triebe zu analysieren. Wie oben schon beschrieben nennt Siegmud Freud unter anderem den Lebenstrieb bzw. Sexualtrieb (= Libido) und den Todestrieb. Beides sind psychische Energien, die angeborener Weise entweder auf Lustgewinn oder auf Vernichtung ausgerichtet sind. Die Ausrichtung der Libido auf andere Personen und Gegenstände bezeichnet die Psychoanalyse also Objektbesetzung, im Gegensatz zur libidinösen Besetzung des eigenen Körpers oder des eigenen ICH. Lebens und Todestrieb arbeiten konträr. Beide sind aber voneinander abhängig, ohne, dass der eine Trieb über den anderen vorherrscht. Nur bei psychischen Störungen wie Sadismus oder autoaggressiven Verhalten ist einer dieser Triebe größer und stärker

Die Entwicklung der Libido verläuft laut Sigmund Freud in verschiedenen Phasen ab. Sie beziehen sich auf Phasen in denen das Interesse des Kindes sich auf jeweils unterschiedliche Körperteile orientiert. Dies sind die orale, anale und phallische Phase. Bei der oralen Phase wird das Trieb motivierte Interesse des Kindes durch Stimulation des Mundes und alles was mit ihm im Zusammenhang steht bestimmt. Vorherrschend sind Wünsche des Aufnehmens, Essen, Lutschen usw.
Die anale Phase kennzeichnet das trieborientierte Interesse an Ausscheidungsorganen und an entsprechenden Ausscheidungsprodukten. In dieser Phase entwickelt das Kind die Beziehung zum eigenen ICH.
Der oralen Phase werden gemäß der Psychoanalyse eine optimistische Lebensgrundeinstellung Mut und Vertrauen usw. zugeordnet. Dies geschieht wenn diese orale Phase nicht im Kindesalter massiv und permanent unterdrückt wird. Sollte dies der Fall sein, werden eher Minderwertigkeitsgefühle, Misstrauen, übertriebenes Ich-bezogen, Begehrlichkeiten usw. zugeordnet. Die orale Phase dient ebenfalls dem Aufbau einer Beziehung zur Umwelt.

Die Psychoanalyse ordnet Persönlichkeitsmerkmale wie Überlegenheitsgefühle, Bejahung des eigenen Geschlechtes, Erfolgsorientierung usw. beim positiven Verlauf der phallischen Phase zu, beim negativen Verlauf werden Unterlegenheitsgefühle, Verneinung der eigenen Geschlechterrolle, Homosexualität, Exhibitionismus, Behaviorismus usw. genannt. 

Wie aufgrund der Persönlichkeitsstruktur psychische Störungen und Fehlentwicklungen entstehen können.
Durch Fehlformen in der Erziehung, also durch Fehler der Erzieher, wie z.B. Ablehnung, Vernachlässigung, völlige grenzenfreie Erziehung, Überbehütung und übermäßiges Verwöhnen, oder auch durch mangelnde, emotionale Zuwendung wird ein Ungleichgewicht der Persönlichkeitsinstanzen wie sie oben aufgezählt sind begünstigt.
Dies wiederum bewirkt ein Auftreten von unangemessenen Ängsten und einen übertriebenen Einsatz der oben beschriebenen Abwehrmechanismen. Dies wiederum führt zur Verfälschung, Verzerrung und sogar Leugnung der Realität. Ein realitätsunangepasstes Verhalten entsteht, was wiederum wenn es sich chronisch darstellt zu einer seelischen Störung bzw. Fehlentwicklung führt. 

Was sind Neurosen?
"Neurosen [griechisch] = Sammelbegriff für seelisch bedingte Störungen des Verhaltens und Erlebens, deren Symptome Ausdruck eines innerpsychischen, unbewussten Konflikts sind, dessen Wurzeln in der Kindheit liegen. Die Symptome sind dabei als Kompromissbildung zwischen Wunsch und Abwehr zu sehen. Als neurotisch ist dasjenige Verhalten zu bezeichnen, das aufgrund frühkindlicher Erfahrung eingeschränkt und unfrei ist in dem Sinne, dass die Person in bestimmten Situationen nicht in der Lage ist, zu handeln, ohne intensive Angst zu erleben. - Der Begriff Neurose geht auf W. Cullen zurück, die psychoanalytische Neurosenlehre wurde vor allem von S. Freud begründet und ausgebaut. In der modernen Psychiatrie wird der Begriff Neurose immer seltener als Krankheitskategorie verwendet"

Historisches

STALKING - Erotomanie - Paranoia erotica - erotische Melancholie - erotische Verrücktheit - Geliebtheitswahn - affektvolle Paraphrenie - sensitiver Beziehungswahn - de-Clérambault-Syndrom - Amor insanus u. a.

Der Begriff "Erotomanie", in freier Übersetzung also Liebeswahn, findet sich bereits in der antiken griechischen und römischen Literatur. Zum einen diente er als Beschreibung der "göttlichen Liebe", zum anderen als (abwertende) Bezeichnung für "unersättliche sexuelle Begierden". Damals akzeptierte man also noch nicht den krankhaften Hintergrund und wertete den Liebenswahn einfach moralisch ab. Erst im 18. Jahrhundert erkannte man, dass die Erotomanie im Grunde eine wahnhafte, also krankhafte Liebe ist.
Diese Verhaltensmuster wurden bereits vor mehr als 100 Jahren in der psychiatrischen Literatur beschrieben. Sie zeigten meist Frauen, die die wahnhafte Überzeugung entwickelt hatten, eine andere Person, meist ein sozial höher gestellter Mann, liebte sie. Im Rahmen eines solchen Liebeswahns (Erotomanie) konnten solche Personen dann auch ihren vermeintlichen Liebhaber belästigen, bedrohen oder sogar körperlich attackieren, d.h. sie konnten ein typisches Stalking-Verhalten entwickeln.

Dieses Syndrom wurde bereits 1927 von dem französischen Psychiater Gatian de Clerambault beschrieben (daher auch de Clerambault-Syndrom). Von ihm wurde erstmals kennzeichnende Merkmale erarbeitet, wobei er zwei sogenannte Prägnanztypen unterschied, den sogenannten primären Typus der Erotomanie und die sogenannte sekundäre Erotomanie.

In den USA wird der Begriff "Stalking" in diesem Zusammenhang seit den 80er Jahren angewandt, in der Bundesrepublik Deutschland seit einigen Jahren.

Stalking-Studie der TU Darmstadt

Ergebnisse der vom Weißen Ring unterstützten Stalking-Studie

An der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der Technischen Universität Darmstadt wurde im Zeitraum von 2002 bis 2005 die bisher größte wissenschaftliche Studie zum Thema Stalking im deutschsprachigen Raum erstellt. Das von Prof. Dr. Hans-Georg W. Voß und den Diplom-Psychologen Jens Hoffmann und Isabel Wondrak durchgeführte Projekt war durch die Unterstützung des Weiße Rings ermöglicht worden, staatliche Stellen hatten eine Finanzierung abgelehnt. Die gesamte Studie wird voraussichtlich im Herbst 2005 in der Buchreihe "Mainzer Schriften" des Weißen Ring erscheinen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lage für Stalking-Opfer in Deutschland sehr problematisch ist, da es an kompetenten Hilfsangeboten mangelt. So wandte sich deutlich mehr als ein Drittel der Betroffenen an die Polizei, um eine Anzeige zu erstatten. Das Resultat war oftmals ernüchternd, denn die Opfer gaben in 69 Prozent der Fälle an, dass sie Schwierigkeiten hatten, der Polizei den Ernst ihrer Situation zu vermitteln. Manche Beamte sagten, sie könnten schlichtweg nichts tun, dem Opfer müsse erst ein Messer im Stecken. Andere bagatellisierten das Problem oder taten es als Privatsache ab. So beurteilten dann auch 80 Prozent der Opfer die Maßnahmen der Polizei als nicht ausreichend oder unangemessen.

Das Stalking war beträchtlich und dauerte bei abgeschlossenen Fällen im Durchschnitt 28 Monate an. Obsessive Verfolgung und Belästigung zeigte sich als ein Phänomen, welches zumeist zwischen Personen statt findet, sich vorher kannten. In nur neun Prozent der Fälle war der Stalker ein Fremder, in 49 Prozent hingegen der Ex-Partner. Die absolute Mehrzahl (81 %) der Verfolger war männlichen Geschlechts. Das Ausmaß von Gewalttätigkeiten bei Stalking war beunruhigend hoch. 39 Prozent der Betroffenen gaben an körperliche Angriffe seitens des Stalkers erfahren zu haben. Jedes fünfte aller befragten Opfer berichtete sogar über schwerere Formen von Gewalt durch Schläge mit der Faust oder durch Angriffe mit Waffen.

Die Auswirkungen des Stalking auf die Betroffenen waren beträchtlich. Zwei Drittel wurden von Schlafstörungen und Alpträumen geplagt. 92 Prozent berichteten über Angst während der Verfolgung bis hin zu panikartigen Zuständen. Die Furcht hielt sogar in den meisten Fällen nach Beendigung des Stalking an. Nur neun Prozent der Opfer, von denen der Verfolger mittlerweile abgelassen hatte, gaben an völlig angstfrei zu sein. Mehr als jede vierte Betroffene wurde dagegen noch immer häufig von Angstgefühlen heimgesucht. Schweres Stalking macht krank. Nahezu jedes vierte Opfer (23 %) war wegen der obsessiven Verfolgung und Belästigung krankgeschrieben. Die Folgen waren auch aus wirtschaftlicher Perspektive immens, den die Fehlzeit betrug im Durchschnitt 61 Tage.

Die Befragung der Stalker ergab, dass es sich hierbei häufig um Personen mit einem höheren Bildungsabschluss handelt. 55 Prozent von ihnen hatten Abitur gemacht oder sogar ein Studium absolviert. Die meisten von ihnen waren ledig (70 %). Mehr als die Hälfte lebten eher isoliert (54 %). Das Alter der Stalker lag zwischen 13 und 58 Jahren und betrug im Durchschnitt 31 Jahre. Auch für die Verfolger stellte das Stalking ein einschneidendes Erlebnis dar. 54 Prozent gaben an, dass es bei ihnen zu Veränderungen in der Persönlichkeit oder der Psyche geführt hatte. Sie berichteten beispielsweise über Depressionen (60 %), über Schlafstörungen (50 %), über Nervosität (41 %) oder über Angst (38 %). Mehr als jeder Dritte von ihnen (38 %) war wegen des Stalking bereits in ärztlicher oder psychologischer Behandlung.

Obgleich ihr Kontaktversuche auch in ihrer eigenen Wahrnehmung so gut wie nie zum Erfolg führten, setzen 96 Prozent der Stalker ihre Annäherungen fort. Als Gründe für ihre Beharrlichkeit nannten sie, dass sie davon ausgingen, dass das Opfer schicksalhaft für sie bestimmt sei (42 %), dass sie glaubten für das Opfer sorgen zu müssen (32 %), dass sie n ihr Glück und ihre Bedürfnisse denken müssten (31 %), dass ihnen von der Person Unrecht angetan wurde (28 %) oder in selteneren Fällen, dass sie ein Gefühl der Macht oder Kontrolle haben möchten (14 %). Hier wird das Ausmaß der Realitätsverzerrung von Stalkern im Blick auf das Opfer deutlich, welches erklärt, weshalb klärende Gespräche so gut wie nie zu einer Beendigung der Belästigung führen.

Insgesamt wurden Fragebögen von 551 Betroffenen von Stalking und von 98 Stalkern ausgewertet. Die meisten der Bögen waren anonym über das Internet ausgefüllt worden, wobei Datensätze, an deren Authentizität die geringsten Zweifel bestanden, von den Forschern ausgeschlossen wurden. Es wurden zudem telefonische Interviews mit 50 Stalking-Opfern durchgeführt, wobei auch Beratungsgespräche stattfanden.

Quelle: Weißer Ring