Damals, als das Wünschen noch geholfen hatte, erwartete E. Zwillinge. Der Arzt riet ihr aus Sorge zu einer Hausgehilfin. Woher nehmen, wenn keine bekannt ist? Der Garteningenieur wurde zu Rate gezogen und brachte ein schüchternes junges Ovambowesen, die kein Englisch sprach und nur gebrochen Afrikaans. Es hatte den wunderhübschen Namen Elviva – oder so ähnlich. Elviva hatte noch nie in einem Haushalt gearbeitet, aber das wusste E. nicht. Sie vermutete also einen dienstbaren Hausgeist und äußerte 3 Wünsche, die da hießen Abwasch, Hausputz und Bügelei. Obwohl im Land aufgewachsen, wusste E. sicher nicht genau, wie man wünscht und so nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Für den Abwasch wurde kaltes Wasser eingelassen. E. erklärte geduldig, dass man in diesem Hause mit heißem Wasser abwaschen würde. Heiß, heißer am heißesten… Jedes Mal wenn ich nachschaute, war es zwar nicht mehr kalt, aber auch nur lauwarm. Jeden Dienstag musste ich neu erklären.

Wäsche wurde einigermaßen glatt gebügelt, oh Wunder! Dann wurde sie allerdings gelegt — und die ganze Bügelei entpuppte sich als nutzlose Nebenbeschäftigung. Ich zeigt, erklärte — und verzichtete großherzig auf die Legearbeit. Ich würde es lieber selbst tun und sie solle die gebügelte Wäsche nur an Bügel hängen. Es half nichts! In unbeobachteten Momenten übte sie sich weiter im Legen. Mein Mann verlor langsam die Geduld: „In der Arbeit fragen sie mich schon interessiert: Wo lässt Du Deine Hemden knittern?!“

Und das Putzen! Ach Du liebe Zeit, das Putzen!!! Ich hatte drei 2 ½ bei 3 Meter Teppich im Wohn/Esszimmer liegen. Teppich ist sicher etwas übertrieben gesagt, aber sie kamen aus einem vorigen Haushalt und wir mussten jeden Pfennig solange umdrehen, bis sie als Kupferdraht den Weg in die Lebensmittelläden fanden. Immerhin bedeckten die Teppiche den mit Linoleumplatten gefliesten Fußboden und vermittelten einen gewissen Wohnstil. Der Staubsauger war auch Marke damals und wurde mit dem gleichen Knopf an und ausgeschaltet. Einmal Knopf gedrückt = an, wieder Knopf auf die gleiche Art gedrückt = aus. Ich erklärte, ich zeigte, ich ließ sie es nachmachen. Da sich der Knopf nicht in der Startposition veränderte und wirklich nur gedrückt werden musste, wollte sie es einfach nicht begreifen. Mein damals 3-jähriger ältester Sohn durfte ihr den Staubsauger an- und ausschalten.
Ach, und trotz meiner Verzweiflung blieb Elviva freundlich und lächelte… sie freute sich, wenn sie mich sah und lächelte. Sie kam fröhlich zur Arbeit und lächelte – immer freundlich immer nett. Ein reizendes Wesen. Ich war auch ohne ihre Anwesenheit langsam gereizt, wenn ich nur an sie dachte – aber ich blieb auch freundlich und lächelte…

Wenigstens saugen konnte sie. Ja, da kann man nichts sagen! Teppich saugen war ihre Spezialität! Das konnte niemand so gut wie sie! Sie ließ den Staubsauger ½ Stunde in stoischer Geduld über ein Teppichstück gleiten. Vor, zurück, hin, her: 30 volle Minuten, @ 60 Minuten @ 60 Sekunden – pro Teppich – pro jeden einzelnen der 3 Teppiche. 1 ½ Stunden Staubsaugergedöhns ohne Unterbrechung – mit einer Hingabe, einer Liebe – und immer freundlich. Mein 3-jähriger resignierte und teilte mir entsagungsvoll mit, er würde lieber schlafen gehen – was er denn auch tat. Und ich überlegte mir an jeder der 108 000 Sekunden, ob ich nicht schon im 5. Monat die Kinder kriegen würde / oder kriegen sollte.

Elviva bekam immer zum Monatsende ihr Gehalt. Und an jedem letzten Dienstag im Monat entschied ich am frühen Morgen: Jetzt entlass ich sie! Jetzt reicht’s! Nicht eine Minute länger! Und an jedem letzten Dienstag des Monats zeigte Elviva Zeichen der Hoffnung. Das Abwaschwasser war gut warm und bedurfte nur einer kleinen Korrektur zur höheren Wärme. Die Arbeitshaltung war eine Idee flinker. Es gab Anzeichen, dass es doch besser werden könnte…

Ich bin ein geduldiger Mensch, ein sehr geduldiger Mensch. Elviva blieb 7 Monate. Die Teppiche saugte ich auch in hoher Schwangerschaft selbst. Bei 5 Minuten Dauersaugen und 25 Minuten Ruhepause wäre ich auf die gleiche Dauer wie Elviva gekommen.

Und dann geschah tatsächlich ein Wunder: Ich lernte Saga kennen. Elviva wurde in Ehren entlassen (da es ja nur wegen der Schwangerschaft war und ich jetzt wieder selbst den Haushalt meistern könne), mit doppeltem Monatsgehalt und einem Extrabonus.

Elviva hat übrigens ein uneheliches Kind mit unserem Garteningenieur, das seine Eltern großziehen. Das Kind ist etwa 1 ½ Jahre jünger als meine Zwillinge. Elviva wird es frühestens wieder in die Arme schließen können, wenn es in die Schule geht, vielleicht auch erst, wenn es erwachsen ist. (Wieder: keine Muttergefühle. Das ist normal! Ab und zu ist Elviva des Garteningenieurs Geliebte, wenn er zufällig in Windhoek ist oder sie in Swakopmund. Und sie hat eine Ausbildung zur Polizistin absolviert!!!!! Ich sah die Fotos: Elviva in stolzer Uniform mit der AK-47 (Maschinengewehr) in der Hand. Ihre Zukunft ist also gesichert! Viele Hausfrauen werden es der Polizei danken, dass Elviva durch sie ihre wahre Bestimmung gefunden hat.)

Elke
Autor: ElkeE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Lehrerin und Buchautorin
Autor Info
Elke Lang lebt in Swapokmund, Namibia. Sie ist Lehrerein an der Namib High School und unterrichtet in folgenden Fächern: Deutsch, Englisch und Rede + Drama "Ich liebe es, an der Namib High School zu unterrichten, weil die Unterrichtsstimmung fabelhaft ist!" - Sie schreibt hier ab und an in ihrer Columne Geschichten aus Namibia.

Familienepisoden aus einer Damarafamilie
Vorurteile zwischen Schwarz und Weiß und umgekehrt, Zauberdoktoren und ungerechte Arbeitsgeber. Dies gibt Stoff für ein abwechslungsreiches Leben in einer Damarafamilie, gespickt mit humorvollen, traurigen aber auch nachdenklichen Momenten. Saga, die schwarze Putzfrau, ist vielleicht der Spiegel, in dem sich viele wieder erkennen.

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